"Aachen 2044. Chronik der Zukunft"
Wie wird das Leben in Aachen im Jahr 2044 sein: Diese Frage stellen sich angehende Industriekaufleute der Unterstufenklassen IND 251 und 252 anlässlich der aktuellen Inszenierung des Theaters Aachen 2044. Chronik der Zukunft.
Wird unsere Zukunft ein Traum oder ein Albtraum? Welche Szenarien sind denkbar?
Am 26.2.2026 besuchen wir abends gemeinsam die Uraufführung 2044 Chronik der Zukunft, Social Fiction von Gernot Grünewald und Ensemble und werden mehr und mehr in den multimedialen Entwurf einer Zukunft, in der totalitäre Machtübernahme wiederkehrt, aber um die heutigen technischen Möglichkeiten bereichert ist, hineingesogen. Die exemplarisch auf der Bühne handelnden acht Figuren der Geschichte öffnen in ihrem Tun Fenster mit Mustern des Unterdrückens und Gleichschaltens, des Zweifelns, des Zögern und Zauderns, des geleisteten Widerstands mit Wort oder Waffe, der Flucht, der Hilfe, der Veränderung, der Selbstbehauptung, der Ambivalenz, der schuldhaften bewussten oder pannenhaften Verstrickung und vernichtenden Diskriminierung und Selektion.
In der multimedialen Darstellung, in der die fensterhafte Bühnenbildkonstruktion, in der die Live- Akteure abwechselnd sprechen und handeln, durch Videoinstallationen, Filme und handschriftliche Tagebucheinträgen überblendet wird, entsteht ein Mosaik:
Wir werden Zeugen einer sich zuspitzenden Apokalypse, die harmlos täuschend wie eine Teams Konferenz aussieht und doch das Schicksal verfolgter, fliehender und politisch willkürlich ausgewiesener Menschen und ihrer Familien bedroht. Wir werden Zeuge von Verleugnung und Verrat innerhalb der eigenen Familie, sobald die Gier nach Macht groß genug ist. Wir werden Zeuge, von Tagebucheinträgen in Lagern eingesperrter Menschen, von denen wenigstens das Wort nach außen dringt. Wir werden Zeuge verschiedener Reaktionsmöglichkeiten: mutige Reportage und Berichterstattung ins Ausland, Zaudern, gewaltsamer Widerstand und Planung von Attentaten auf Sachen, Umkehr nach Erfahrung, Flucht, Mitläufertum mit bedingungsloser Bereitschaft, selbst die eigenen Kinder dem Machthunger zu opfern…
Unwillkürlich drängt sich die Frage auf, welche der Optionen wir wählen würden. Es ist durch den Sog der drängenden immer realer wirkenden Ereignisse in regionaler Aachener Kulisse wie der Höckerlinie („Drachenzähne“) fast nicht möglich, in der Rolle der Zuschauerin und des Zuschauers zu bleiben. Die Kraft der Inszenierung zieht uns mit in das Spiel und seine Entscheidungsabgründe und macht uns zu Handelnden.
Zurück bleibt am Ende Atemlosigkeit und die Frage: Wie können wir unsere Demokratie sichern?
Genau dieser Frage gehen wir seit einigen Wochen im Religionsunterricht gemeinsam in beiden Klassen der Industrieunterstufen nach: Wie kann eine tolerante Schule der Vielfalt demokratische Grundrechte pflegen und sichern? Was kann die Gesellschaft und jeder einzelne von uns tun? Wie kann eine Zukunft mit privaten und beruflichen Lebensträumen junger Menschen aufgebaut und vor totalitären Machtkatastrophen geschützt werden?
Das gemeinsame Suchen nach Antworten und die Vielfalt der Ideen machen Hoffnung.
Claudia Görgen

